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Kino - Wochenendkrieger

Wochenendkrieger

Ein Film von Andreas Geiger

gebrueder beetz filmproduktion Hamburg
Eppendorfer Weg 93a
20259 Hamburg
E-Mail:
hamburg@gebrueder-beetz.de

Telefon:+49 (0) 40 769 730 70
Fax:+49 (0) 40 769 730 65
Wochenendkrieger
Kinostart am 08.08.2013
Director´s note WOCHENENDKRIEGER


Eine große Qualität des Dokumentarfilms ist, den Zuschauer in Welten führen zu können, in die er normalerweise keinen Einblick hat. Dabei wird es besonders reizvoll, wenn ein Dokumentarfilm nicht-reale Welten zeigt.

Das Thema Fantasy-Rollenspiel bietet die spannende Möglichkeit, reale Menschen und eine Spielwelt gleichzeitig darstellen zu können: die heutige bundesdeutsche Realität im Kontrast zu einer mittelalterlich anmutenden Fantasywelt à la Herr der Ringe. Sofort tauchen Fragen auf: Wie sieht die Wirklichkeit dieser Leute aus und welche Rolle spielen sie? Wie läuft so ein Fantasy Rollenspiel ab, und warum machen das überhaupt erwachsene Menschen?

Aus den vielen tausend Rollenspielern habe ich exemplarisch fünf Personen ausgewählt, die in ihrem Alltag ganz durchschnittliche Menschen sind. Jeder hat eine Rolle im Leben und jeder spielt seine Rolle in der Fantasywelt, eine Rolle, die er sich selber ausgedacht hat. Dabei entstehen Situationen, die humorvoll und skurril sind und den wahren Menschen hinter der Maske erkennen lassen.

Lernt man Rollenspieler kennen, wird schnell klar, dass Rollenspiel für sie nicht Flucht vor der Welt, sondern vielmehr Stärkung für den Alltag bedeutet. Sie lernen sich selbst besser kennen und können dadurch besser mit anderen Menschen umgehen. Im Film sagt einer der fünf, dass Rollenspiel perfekte Trainingseinheiten für den Alltag seien. Mein Blick richtet sich im Film daher auf die verschiedenen Rollen, die jeder im Leben spielt. In unserer postmodernen Welt kann jeder vieles sein: wir haben mehrere Freundeskreise, exotische Hobbys und im Internet verschiedene Identitäten.

Wir suchen das Spiel, als ob uns der durchschnittliche Alltag unseres geregelten und gesicherten Lebens nicht mehr genügend Abenteuer erleben lässt. Es sind die alten Mythen, die in unseren Herzen stecken und an denen wir teilhaben wollen. Wir wollen mit Schwertern kämpfen, statt Squash zu spielen. Wir wollen die Gänsehaut spüren, wenn wir einen Pakt mit dem Herrscher der Untoten eingehen, statt an der Börse zu zocken. Wir wollen uns zurück träumen in die Kindheit, als es noch Mythen gab und wir noch so viel Phantasie hatten, uns selbst in eine Märchenwelt zu versetzen. Rollenspiel ist ein neuer Umgang mit den alten Mythen.

Um dies für den Zuschauer erlebbar zu machen, erzählen wir im Film neben dem Dokumentarischen eine Fantasygeschichte, die unsere fünf Rollenspieler erleben. Wir schauen also nicht von außen auf die Spielhandlung, sondern erleben „wirklich“ mit, wie böse Orks die Welt der Elfen vernichten wollen, wie Magie betrieben wird und wie am Ende die Welt gerettet wird.

Wir schildern eine Freizeitbeschäftigung von Menschen, die rückwärtsgewandt in die guten alten Zeiten schauen. Für mich ist Rollenspiel ein Bild für den Zustand unserer Gesellschaft. Der Film bietet dem Zuschauer Einblick in eine kleine Welt, in der die großen Sehnsüchte der Menschen von heute sichtbar werden.

Es ist die Freude am Spiel und die Lust, die Welt einmal anders zu betrachten. Jeder Zuschauer kann für sich selbst entdecken, welche Rolle er in diesem Spiel verkörpern würde. Wäre ich ein Held oder Schurke? König oder Bettler? Für was würde ich kämpfen? Und für was mein Leben lassen?

Andreas Geiger

Pressetext

Ein Film von Andreas Geiger

Entwicklung gefördert von Medienboard Berlin-BrandenburgProduktion gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg, DFFF, MFG und Filmfonds Wien Eine Produktion der Gebrueder Beetz Filmproduktion, In Zusammenarbeit mit RBB/ARTE, in Koproduktion mit der Golden Girls Filmproduktion

Verborgen in unseren Wäldern leben heute noch beinahe unbemerkt Elfen und Orks, Krieger und Untote, finstere Fürsten und strahlende Lichtgestalten. Zu Tausenden treffen sich diese sonderbaren Wesen jedes Wochenende zum großen Spiel. Dann hallen martialische Schreie durch die Wälder, Elfen suchen nach versunkenen Märchenwelten und gewaltige Ritterheere ziehen übers Feld und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Gut gegen Böse – der ewige Kampf.

Was wie das Szenario aus "Herr der Ringe" klingt, ist für Tausende Live-Rollenspieler aufregende Realität. LARP (live action roleplay) nennt man diese organisierten Live-Rollenspiele, deren Verlauf und Ausgang von den Spielern selbst bestimmt werden. Ein Publikum gibt es nicht, sie spielen allein für sich, sind Schauspieler und Zuschauer zugleich. Zwischen April und Oktober finden jedes Wochenende hunderte „Cons“ statt, wie die Rollenspiel-Veranstaltungen genannt werden. Manchmal sind es ein paar Dutzend Rollenspieler die sich treffen, aber auf „Groß-Cons“ wie dem „Conquest of Mythodea“ im 300 Seelendorf Brokeloh in Niedersachsen oder dem „Drachenfest“ im hessischen Diemelstadt tummeln sich an die 8.000 Teilnehmer. Allein in Deutschland zählt die Rollenspiel-Community über 250.000 Spieler. Dabei entscheidet sich jeder Spieler für eine Rolle: Elfe, Ork, Fürst, Bettler, Magier, Siedler, Narr, Druide, Heiler, Ritter, Feuerwesen, Gaukler, Kobold, Hobbit oder Vampir sind die gängigsten Rollen, deren Eigenschaften nach Belieben in der Figur kombiniert und ausgebaut werden können. Viele Spieler entwickeln ihre Rollen über Jahre weiter, ein festes Drehbuch gibt es nicht, Improvisation und Phantasie sind das Rüstzeug, wenn es in den großen Schlachten um Leben und Tod geht. Es ist eine Welt wie aus den eigenen Kindertagen, in der das Spielen über allem steht.

"Wochenendkrieger" portraitiert fünf Spieler und taucht in ihr Leben zwischen Schlachtfeld und Computerarbeitsplatz ein. Wenn Dirk als „Herrscher des Untoten Fleisches“ seine 300 Mann starke Armee in den Kampf führt, vermutet keiner, dass er im realen Leben als Sekretär bei den Grünen vorwiegend Parteisitzungen protokolliert. Chris, die strenge Gymnasiallehrerin aus Tübingen, ist als „Aniesha Fey, die Herrin der Leere“, eine der bekanntesten und gefürchtetsten Rollenspielfiguren in Deutschland und ein Star in der Szene. Gregor, der schwule Maskenbildner aus Berlin, entschlüsselt als „Erzmagier Lamathiel“ geheime Formeln und liebt das Spiel mit Identitäten und Rollen – sei es beim Magiertreffen oder in der Schwulenszene. Der korpulente Sven arbeitet als Montagearbeiter bei VW am Fließband und verwandelt sich am Wochenende in den „Gärtner der Öligen Pestilenz“. „Mit meiner Figur kann ich keinen Prinz spielen, aber meiner Spielfigur macht es nichts aus, dass sie korpulent ist!“, sagt er und kann herzhaft über sich selbst lachen.

Die gütige „Elfenkönigin Lenora“ regiert seit über 700 Jahren im Auental und steht vor einer Schicksalsentscheidung: Soll sie die Elfen in den Krieg führen oder in die Wälder flüchten? Im richtigen Leben steht die schüchterne Studentin aus dem brandenburgischen Groß-Ziehten vor dem Eintritt ins Berufsleben – als angehende Modedesignerin schneidert sie mit Vorliebe phantasievolle Kleider und Kostüme.

Einfühlsam und nah an seinen Protagonisten, aber mit einer gehörigen Portion Humor geht Filmemacher Andreas Geiger ("Heavy Metal auf dem Lande") der Frage nach, woher die Sehnsucht nach diesen Phantasiewelten, archaischen Mythen und dem gemeinsamen Spiel kommt? Und wie gehen unsere Protagonisten – ganz normale, liebenswerte und reflektierte Menschen – mit den Widersprüchen ihres Parallellebens um? Dabei thematisiert der Film auf unterhaltsame Weise das vielschichtige Rollenverhalten in unserer postmodernen Gesellschaft, in der Menschen von Heute souverän ihre Identitäten wechselt, um unterschiedliche Aspekte ihrer Persönlichkeit in Beruf, Familie und Freizeit auszuleben. Und nicht zuletzt durch die Verbreitung von Sozialen Netzwerken wie Facebook wandeln viele Menschen selbstverständlich zwischen realer und virtueller Welt und spielen auch hier mit Identitäten und Rollen.

Auch durch die massive Verbreitung von Videospielen sind die Grenzen zwischen Fantasy-Welt und Realität durchlässig geworden. Längst erzielt die globale Games-Industrie weit höhere Umsätze als die Filmindustrie und breite Teile der Bevölkerung tauchen als Spieler in fremde (Phantasie)-Welten ein. Bewusst spielt der Film mit Fiktion und Realität und wechselt dramaturgisch wie formal zwischen Spiel- und Dokumentarfilm, so erinnern Farbgebung, Breitwandformat und Sounddesign an aktuelle Fantasy-Produktionen, wie Games of Thrones oder Spartakus, auch Einflüsse gängiger Games-Ästhetik sind erkennbar.

"Wochenendkrieger" balanciert mit seinen Protagonisten zwischen Pathos und Banalität, Mythos und Alltag, Spiel und Selbstanalyse und gibt Einblick in eine Welt, in der die großen Sehnsüchte der Menschen von heute sichtbar werden. Eine Ode an das Spiel und die Phantasie!

   
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